Die Aktie
Gliederung:
Was
ist eine Aktie überhaupt?
Welche Arten von Aktien gibt es?
Wo kann ich Aktien kaufen oder verkaufen?
Wie wird ihr Preis festgestellt?
Qualität im Zusammenhang mit Aktien
Wie kann ich Aktien kaufen?
Einige Kennzahlen
Nützliche Tipps
1.
Was ist eine Aktie überhaupt?
Die Aktie ist
eine Urkunde, die ihrem Inhaber einen Anteil am Gesamtvermögen
einer Aktiengesellschaft verbrieft. Dieser Inhaber, der Aktionär,
ist also Miteigentümer am Vermögen einer Aktiengesellschaft.
Dadurch trägt er auch einen Teil des Risikos, das mit dem
Wohlergehen des Unternehmens zusammenhängt. Bei guter Geschäftslage
oder in deren Erwartung verdient der Aktionär durch steigende
Kurse der Aktien. Dabei versucht die Börse, die Ereignisse um gut
½ Jahr im voraus zu bewerten, oft sogar noch länger. Es gibt natürlich
auch noch andere Einflußfaktoren, aber dazu später.
Jetzt zeige ich Euch ein paar konkrete Aktien, deren Namen man
vielleicht sogar noch kennt.
Wichtig ist noch:
als Aktionär ist man zwar Miteigentümer einer
Aktiengesellschaft, aber kein Gläubiger. Im schlimmsten Fall, dem
Konkurs, haftet der Aktionär also nicht mit seinem Vermögen für
die Gesellschaft.
2.
Welche Arten von Aktien gibt es?
In Deutschland
gibt es momentan zwei Arten von Aktien: Stückaktien und Aktien
mit Nennwert.
Die
Nennwertaktie:
Die Aktie hat
einen Nennwert von mindestens 1 Euro (höhere Nennwerte müssen
auf volle 5 Euro lauten), das ist der Anteil am Grundkapital, den
der Aktionär besitzt. Man kann sich seinen Anteil an der
Gesellschaft errechnen, indem man das Grundkapital, das man selbst
besitzt, zum gesamten Grundkapital in Beziehung setzt.
Die Stückaktie:
Die Stückaktie
repräsentiert einen gewissen Anteil des Grundkapitals. Dieser
wird aber nicht in Geld ausgedrückt. Hier lauten die
Aktienurkunden auf eine bestimmte Stückzahl von Aktien, z.B.
1000. Wichtig: auch hier muß der rechnerische Anteil am
Grundkapital mind. 1 Euro betragen.
Þ kein großer
Unterschied; bei Stückaktien besteht eher die Möglichkeit, einen
Split vorzunehmen, um den Kurs optisch attraktiv zu gestalten.
Wichtiger ist die
Unterscheidung von Inhaber- und Namensaktien:
Die
Inhaberaktie:
... ist die
Normalform einer Aktie, sie wird durch Weitergabe übertragen. Es
darf also immer derjenige das Stimmrecht ausüben, der die Aktie
besitzt.
Die
Namensaktie:
... wird auf
einen Inhaber ausgestellt. Beim Wechsel des Besitzers muß eine Änderung
im Aktienbuch des Unternehmens stattfinden. Besondere Form ist die
vinkulierte Namensaktie: Die Gesellschaft kann die Eintragung ins
Aktienbuch ablehnen (z.B. bei Übernahmeversuchen wichtig).
Außerdem
unterscheidet man zwischen Stamm- und Vorzugsaktie:
Die Stammaktie
... ist eine
"vollwertige" Aktie, die dem dem Besitzer das Recht einräumt,
die Hauptversammlungen der Gesellschaft zu besuchen und dort
abzustimmen. Es besteht die Möglichkeit, Weisungen zur
Stimmabgabe zu geben oder Gegenanträge einzureichen.
Die
Hauptversammlung findet i.d.R. einmal im Jahr statt, oft im Frühjahr.
Dort präsentiert der Vorstand das Unternehmen, stellt den Geschäftsverlauf
des letzten Jahres dar und gibt einen Ausblick. Zum Besuch
eingeladen werden alle Aktionäre, die Benachrichtigung erfolgt
kurz vorher. Essen gibt’s normal auch... Und wenn es der
Gesellschaft gut geht, gibt es nach Beschluß der HV auch eine
Dividendenzahlung, die Gewinnbeteiligung des Aktionärs. In D: 1
mal im Jahr Dividende, USA: meist 4 mal (dafür weniger).
Die
Vorzugsaktie
... bietet kein
Stimmrecht in der Hauptversammlung, dafür oft eine etwas höhere
Dividende und einen niedrigeren Aktienkurs.
3.
Wo kann ich Aktien kaufen oder verkaufen?
In Deutschland
gibt es 8 Börsenplätze: Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt,
Hamburg, Hannover, München und Stuttgart. Den größten Umsatz
mit deutschen Titeln bietet meist Frankfurt, aber die anderen Plätze
haben zum Teil stark aufgeholt und bei ausländischen Aktien sogar
die Nase vorne. Außerdem sind sie wesentlich
Kleinanleger-freundlicher, aber das ist ein anderes Thema.
4.
Wie wird ihr Preis festgestellt?
Der Preis einer
Aktie entsteht immer aus Angebot und Nachfrage. Wird eine
Wertpapierorder aufgegeben, kann ein Limit angegeben werden. An
der Börse wird nun versucht, einen passenden Kurs zustande zu
bekommen, bei dem ein Umsatz stattfinden kann. Das findet den
ganzen Tag über statt (von 8.30 - 17.00 Uhr) und nennt sich
variabler Handel. Um ~12 Uhr wird auch ein Kassakurs nach dem Höchstumsatzprinzip
festgestellt, zu diesem Kurs werden meist die unlimitierten
Angebote und Nachfragen gehandelt. Höchstumsatz heißt, es werden
alle vorhandene Angebote und Nachfragen zusammengetragen und der
Kurs wird Kassakurs, bei dem die meisten Aktien gehandelt werden können.
Unterschied zwischen variablem Handel und Handel zum Kassakurs:
der variable Handel schreibt manchmal Mindeststückzahlen vor,
diese werden aber besonders von den Regionalbörsen immer mehr auf
1 Stück gesenkt!
Die Orderabwicklung erfolgt in D in 2 Tagen, in Europa meist in 3
Tagen.
Einige wichtige Kürzel
bei der Notation von Börsenkursen (Kurszusätze):
T
Taxkurs, es gab keine Umsätze, der Kurs ist geschätzt
b
bezahlt, alle Aufträge wurden ausgeführt
G
Geld, zu diesem Kurs bestand nur Nachfrage
B
Brief, zu diesem Kurs gab es nur Angebote
bG
bezahlt Geld, es gab mehr Nachfrage als Angebot
bB
bezahlt Brief, es gab mehr Angebot als Nachfrage
exD ex
Dividende, erster Kurs nach Dividendenzahlung
5.
Qualität im Zusammenhang mit Aktien
Es gibt
erhebliche Qualitätsunterschiede bei Aktien. Ich möchte daher
heute 4 verschiedene Klassen von Aktien vorstellen.
Blue Chips
... sind Aktien
erstklassiger Unternehmen mit sehr guter Marktpositionierung und
Erfolg; in der Regel agieren diese Unternehmen international.
Solche Papiere sollten die Basis jedes soliden Wertpapierdepots
sein. Diese Werte sind auch für erste Börsenschritte gut
geeignet, die Schwankungsbreite ist hier nicht so groß wie bei
zyklischen Aktien, aber dafür gibt es gute Gewinnchancen und
solides Wachstum über lange Zeit. In Deutschland gibt es leider
sehr wenige Werte, die man in diese Kategorie einordnen kann,
evtl. Beiersdorf und SAP. International gibt es einige davon, hier
muß aber das Wechselkursrisiko unbedingt berücksichtigt werden.
Beispiele: Coca-Cola, Colgate, Gillette, evtl. Microsoft in den
USA, Nestle und Roche in der Schweiz, Unilever und Elsevier in den
Niederlanden.
Zyklische
Aktien
... sind Aktien
von Unternehmen, die sehr konjunkturabhängig sind. Dazu zählen
insbesondere die Automobilwerte, der Maschinenbau und Bauwerte (®
sehr viele deutsche Werte).
Nebenwerte
... sind Aktien
kleinerer bis mittlerer Unternehmen. Hier sind die Kursbewegungen
heftiger und schneller. Als Problem kann ein sehr geringer Umsatz
auftreten, bei dem der Kurs sehr schnell in die eine oder andere
Richtung getrieben werden kann. Hier immer Limits setzen und auf
Qualität achten. Wichtig ist es auch, genug Informationen über
das Unternehmen zu haben, bevor man sich Aktien davon kauft.
Penny Stocks
... sind extrem
risikoreiche Aktien, deren Wert im “Penny”-Bereich liegt. Sie
sind fast ausschließlich in den USA und Kanada zu haben. Der
Erwerb ist vergleichbar mit einem Spielbankbesuch, viele dieser
Unternehmen bleiben auf der Strecke.
6.
Wie kann ich Aktien kaufen?
Man muß bei
einer Bank ein Wertpapierdepot eröffnen. Bei dieser Bank sollte
man schon ein Girokonto haben, da man über dieses die finanzielle
Abrechnung vornehmen muß. Bei der Depoteröffnung bekommt man
eine Belehrung über die Risiken, die mit Wertpapiergeschäften
verbunden sind, und man muß einen Fragebogen nach §31 Absatz 2
WpHG ausfüllen. Darin muß angegeben werden, welche Anlageziele
verfolgt werden und in welche Risikoklasse man eingeteilt werden
will. Wichtig: jede Angabe unterhalb höchster Risikobereitschaft
führt zu Einschränkungen bei den späteren Handlungsmöglichkeiten!
® Folie!
Wenn das Depot eröffnet ist, kann man seine Orders ab sofort bei
der Bank aufgeben.
Anfallende Gebühren anhand einer Beispielabrechnung ® Folie.
Stichworte: Provision, Maklergebühr, Feinheiten Namensaktien,
Sonstige Kosten, Depotverwaltungsgebühren. Je nach Bank sehr
unterschiedlich, Mindestgebühren beachten!!
7.
Einige Kennzahlen
Kurs-Gewinn-Verhältnis
(KGV)
in Deutschland:
langjähriger Durchschnitt ca. 15, zur Zeit wohl trotz Korrektur
noch höher
Dividendenrendite
Alle Kennzahlen
sind mit viel Vorsicht zu geniessen und am besten nur für den
Vergleich innerhalb einer Branche zu verwenden.
8.
Nützliche Tips
- bei
ausländischen Werten Währungsrisiko beachten
- nur
mit Geld an die Börse, das man auf absehbare Zeit (2 Jahre)
nicht braucht
- Reserve
aufbewahren
- nicht
zu viele Titel kaufen, aber auch nicht alles "auf ein
Pferd setzen", optimal sind 5-10 Titel.
- alternativ:
Fonds wegen Risikodiversifizierung:
- Aktienfonds
- Rentenfonds
- gemischte
Fonds
- Länder-
oder Regionenfonds
- deutsche/
europäische/ internationale Fonds
- steueroptimierte
Fonds
- Fonds
ohne Ausgabeaufschlag
- große
Fondsgesellschaften: DWS, ADIG, DIT, fast jede Bank hat
ihre eigene Fondsgesellschaft
- Vorteil:
Diversifizierung, viele Titel, man braucht sich um nichts
kümmern, geringeres Risiko
- Nachteil:
Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühren und kein Stimmrecht
- immer
beachten: die Börse übertreibt, und zwar in beide
Richtungen; Geld und Angst regieren die Börse
- ggf.
nachkaufen, liegenlassen
- antizyklisch
handeln bei Aktien
"Analysten
sind auch nur Menschen."
"Keine
Angst, Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer!"
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